32 – Barock & Kristall

Weilburg & Kubach – welcher Glanz!

Wo die Weil in die Lahn mündet, glänzte einst auf einem Felskegel der Nassauer Hof – und ein Kristalldom schlummerte tief im Erdinneren bei einem nahen Kuhdorf…

3 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch .

Foto: Wiki.commons

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31 – Das Marmorland an der Lahn

Die Lahnhöhen bei Runkel

Unweit der Autobahn Frankfurt-Köln stellt diese kleine aber feine Wanderung auf herrlich stillen Wegen rechts und links des Lahntals sowohl die Ausläuferlandschaft des Taunus wie des Westerwaldes vor. Wer die Gegend noch nicht kennt, könnte sich bei der Fahrt in den Süden zum Beispiel hier für knapp drei Stunden einmal die Füße vertreten…

Eine Einkehrmöglichkeit unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch .

Foto: Stefan Etzel

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Zur Einstimmung am Beginn der Tour: Lahn-Marmor-Museum

30 – Die Heimat des Freiherrn vom Stein

Wildromantische Seitentäler der Lahn

„Wildromantisch“ ist das Attribut, das viele Seitentäler der Lahn kennzeichnet, auf dieser Tour wird der Beweis angetreten. An heißen Tagen, die das Wandern über Offenlandschaften zur Plage machen, findet man hier jenen kühlen Schatten, den der Grieche so treffend „süß“ nennt. Dann ist es auch kein Problem, über einen Felssteig zu kraxeln, der eine Talschlinge abkürzt oder überhaupt die Länge dieser Wanderung durchzustehen. Die endet gewissermaßen auf Burg Nassau, wo man in der Burgschänke die Speicher wieder auffüllen kann, bevor es an der Burg derer vom Stein – Nomen est Omen – vorbei wieder beschwingt ins Lahnstädtchen Nassau zurückgeht.

2 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch | Abkürungsmöglichkeit

Foto: Stefan Etzel | Album der Tour

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Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (1757-1831)

In seinem Geburtshaus, dem Nassauer Schloß, verfaßte der gerade im Streit als leitender Minister vom preußischen König Geschiedene 1807 seine berühmte „Nassauer Denkschrift“, in welcher er Vorschläge zur zweckmäßigeren Organisation der preußischen Verwaltung machte, die auf eine Wandlung des Obrigkeits- in einen Volksstaat zielten. Bürgerbeteiligung am Staatsleben war das Mittel, mit dem vom Stein den Volkswillen zum Kampf gegen Napoleon mobilisieren wollte.

Neun Monate nach seiner Entlassung wird der Freiherr von der Lahn weg wieder in die Regierung zurückberufen, „in Preußens größter Not“ – auf Empfehlung Napoleons, der so in Unkenntnis der tieferen Absichten vom Steins seinen größten zivilen Gegenspieler in Stellung brachte. Stein macht sich sofort ans Werk. Schon am 9. Oktober 1807 wird als erstes Reformgesetz die Bauernbefreiung verkündet: Der Adel mußte die Landbewohner aus jahrhundertealter Erbuntertätigkeit entlassen, damit sie als freie Staatsbürger ihr Schicksal selbst bestimmen konnten. Solche und andere Reformen – z.B. kommunale Selbstverwaltung, 1808 – zielten auf eine Stärkung des „Volkes“ gegenüber den bis dato absolut Herrschenden, um einen „Volkswillen“ gegen die Fremdherrschaft zu schaffen – aus dem Bewußtsein, Ureigenstes zu verteidigen.

„Altpreußen ist tot, das neue Preußen muß den Staatsbürger wecken“ war Steins Devise. Im August 1808 legt er in einem Brief Pläne zu einer Volkserhebung gegen Napoleon dar – der von den Franzosen abgefangen wird. Napoleon erkennt zu spät seinen Fehler und verhängt die Acht über Stein, der nach Prag flieht und weiter zum Zaren. Als dessen Berater vermittelt er 1813 das russisch-preußische Bündnis unter Einbindung Österreichs (Metternich) – und ist im Oktober 1813 beim Sieg der Alliierten über die französischen Armeen in der Völkerschlacht bei Leipzig als Beobachter dabei.

Am Wiener Kongreß nimmt vom Stein noch als Berater des Zaren und der preußischen Regierung teil – und zieht sich dann ins Privatleben zurück, als klar wird, daß seine Vorstellungen von einer neuen Ordnung bei den triumphierenden Fürsten auf taube Ohren stießen. Seine letzten dreizehn Lebensjahre verbringt der Architekt der Befreiung auf Schloß Cappenberg in Westfalen mit Studien über die mittelalterliche Geschichte.

Gipfel unserer Wanderung ist der Aufstieg auf den Bergfried der Burg, der nicht nur mit seiner Höhe, sondern auch den vier Ecktürmchen imponiert (Ausblick auf die Stadt auch von links des Burgaufgangs möglich). Einerseits bietet sich ein herrlicher Blick ins Mühlbachtal, andererseits auf Nassau im Lahntal: Gut ist das vom Steinsche Schloß von 1621 in der Ortsmitte zu erkennen mit dem achteckigen „Freiheitsturm“ als architektonischem Fremdkörper. Der Freiherr vom Stein – größter Sohn Nassaus, s. Am Wege  – hatte ihn 1815/16 an sein Geburtshaus anbauen lassen in Erinnerung an seine Verdienste um die Befreiung von der napoleonischen Fremdherrschaft – und als stilistisches Modell für das nach-napoleonische Deutschland: Der neugotische Baustil sollte die Erinnerung an das alte Reich wachhalten

Zur Grablege des Freiherrn in dem Dorf Frücht führt Tour 29.

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Warum Nassauer nicht nassauern

Die Nassauer haben das Pech, daß man bei ihrem Namen an Schmarotzer denkt. Dabei ist es aus gerade gegenteiligem Grund zu dem Begriff „nassauern“ für es sich auf anderer Leute Kosten gut gehen lassen gekommen. Da es in seinem kleinen Reich keine vollwertige Universität gab, gewährte der Nassauer Herzog seit 1817 begabten Landeskindern eine Art Stipendium in Göttingen in Gestalt eine „Freitischs“ in einem dortigen Wirtshaus. Blieb einer der echten Nassauer dem Tische fern, sprang gern ein Nichtlandeskind ein und gab sich als „Nassauer“ aus, woraus der studentische Ausdruck entstand. Die Nassauer nassauern also gerade nicht!

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Die Nassauer Grafen

1255 teilten die Brüder Otto und Walram von Nassau Grafschaft und Dynastie entlang der Lahnlinie. Der ottonische Zweig orientierte sich fortan nach Norden, fasste 1403 in Holland Fuß und stellt seit Wilhelm von Nassau-Oranien (1533-1584) bis heute das niederländische Königshaus (Nassauer Löwe im Staatswappen). Der walramische Zweig dagegen orientierte sich zum Rhein hin und beherrschte so einen Großteil des Taunusgebiets.

29 – Nostalgie ob der Lahn

Von Bad Ems ins Schweizertal

„Weltbad“! – Wo einst Kaiser und Könige kurten, kurt heute König AOK-Kunde in lange verblasstem Glanz. Stramm bürgerlich marschieren wir denn auch auf den Emser Hausberg (Malbergbahn) – und kehren später auf Wegen zurück, auf denen schon die Römer zum Bade trabten…

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Foto: Stefan Etzel

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Bad Ems und die „Emser Depeche“

Ob die Römer den Lahnübergang absichtlich an die Emser Quellen legten, ist nicht bezeugt, kam aber jedenfalls ihren Vorstellungen eines zivilisierten Lebens entgegen. Als Heilort bekannt wurde Ems schon im 14. Jahrhundert und erlebte seine Blütezeit als alljährliches Stelldichein des europäischen Hochadels in den Jahrzehnten vor 1871 – dem Jahr des preußischen Spielbankenverbots. Danach gings bergab, heute kämpft die Stadt mit all ihren prachtvollen Kurbauten von anno dazumal wie alle anderen Kurbäder ums wirtschaftliche Überleben.

Eingang in die Geschichte fand Bad Ems durch jene Depeche des kurenden Preußenkönigs an Bismarck Anfang Juli 1870, in welcher er von einer Begegnung mit dem französischen Gesandten berichtet, der längst überholte Forderungen gestellt hatte: Bismarck möge die Öffentlichkeit entsprechend informieren. Der nutzte die Gelegenheit, durch eine polemisch verkürzte Fassung der „Emser Depeche“ die beiden Völker wie ihre Herrschenden in einen nationalistischen Furor zu stürzen, dessen Ergebnis die erwünschte Kriegserklärung Frankreichs an Preußen vom 19. Juli 1870 war. Aufgrund von Bündnisverträgen traten die süddeutschen Staaten in den Krieg mit ein, der so zu einem „deutschen“ wurde – und an dessen Ende die Krönung des preußischen Königs im Spiegelsaal von Versaille zum Kaiser des zweiten deutschen Reiches stand.

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Die Grablege des Freiherrn vom Stein in Frücht

Aus dem Schweizer Tal aufsteigend, erreichen wir das Dorf Frücht. An seinem Rande liegt Steins Gruft, eine neugotische Kapelle, die der Freiherr vom Stein etwa zur gleichen Zeit wie den Freiheitsturm im Nassauer Schloß errichten ließ (s.Tour 30). Hierher ließ er die Särge seiner Eltern aus der Früchter Kirche überführen und bestimmte die Kapelle als letzte Ruhestätte für sich und seine Gemahlin. Auf den Besitz von Frücht ging letztlich die Reichsunmittelbarkeit des Geschlechts zurück, das mit dem ohne männliche Nachkommen bleibenden Freiherrn erlosch. Auf dem Sockel seines Grabmals steht zu lesen (Ernst Moritz Arndt):

„Der Letzte

seines über sieben Jahrhunderte

an der Lahn blühenden Rittergeschlechtes,

demüthig vor Gott, hochherzig gegen Menschen,

der Lüge und des Unrechts Feind, hochbegabt

in Pflicht und Treue, unerschütterlich

in Acht und Bann,

des gebeugten Vaterlandes ungebeugter Sohn,

in Kampf und Sieg

Deutschlands Mitbefreier.

Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu seyn.“