28 – Riesling & Sauerborn

Vater Rhein ein Weilchen von hoher Warte aus betrachten – Burgen, Schiffe, Felsen, Wein – und dann ins Hinterland abtauchen, wo dann auch am Wege Burgen auftauchen – diese Wanderung sollte man sich für formidables Fotografierwetter vormerken, Frühaufsteher finden wohl das beste Licht…

Keine Einkehrmöglichkeit unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch . – Damit müssen Wanderer zunehmend rechnen: Gab es noch vor wenigen Jahren zwei Einkehrmöglichkeiten auf dieser Tour, so ist heute dem ländlichen Kneipensterben Tribut zu zollen. Es gibt aber genügen Rastpunkte, um die mitgeführte Jause gemütlich zu genießen.

Foto: Günter Bornholdt

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Freistaat Flaschenhals

Eine recht kuriose Bedeutung erlangte Lorch anfangs der 1920er Jahre als „Hauptstadt“ des „Freistaates Flaschenhals“ , einem Ergebnis des Versailler Vertrages. Auf dem hiesigen Rheinufer hatten Amerikaner und Franzosen je eine Besatzungszone gebildet, zwischen denen eine Lücke blieb. Dieser schmale, rheinseitig bis hinter Kaub reichende Schlauch zog sich einige Kilometer in den Taunus hinein, ließ die rund 8.000 Einwohner während ihrer vierjährigen Unabhängigkeit rasch eine eigene Identität als gewiefte Schmuggler und sonstige Lebenskünstler entwickeln, bevor sie dann 1923 doch als Bürger der Weimarer Republik in der Normalzeit ankamen. Unsere gesamte heutige Wanderung führt durch das Gebiet des damaligen Freistaates.

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27 – Es wispert grün die Höhenluft …

Rechts und links des Wispertals

Fährt man vom Rhein weg ins Wispertal, biegt man bald um die Ecke – und ist in einer völlig anderen Welt. Herrliche Wälder, enge Felstäler, lauschige Talauen, luftige Höhen, und überall der Schiefer. Felsen, Hausdächer, Burgen, alles besteht aus diesem Gestein. Schließlich ist der Taunus Teil des Rheinischen Schiefergebirges.

Diese Wanderung ist mit zwei Aufstiegen von knapp 400 resp. 300 Höhenmetern bei satten 33 km Länge die “Königsetappe” dieses Führers. Sie wird daher auch als 2-Tage-Wochenendtour mit Übernachtung in einem Höhenort empfohlen.

3 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

Foto: Stefan Etzel | Album der Tour

24 – Zum Rheingauer Gebück

Der Gebückwanderweg bei der Hallgarter Zange

Dass der Rheingau-Taunus nicht nur aus Weinbergen besteht, führt diese Wanderung durch die Wälder beim höchsten Aussichtspunkt der Gegend eindrücklich vor. So nebenbei erfahren wir auch etwas über eine 38 km lange biodynamische Grenzbefestigung, die sich seit dem Mittelalter als "grüne Mauer" über die Taunushöhen zog…

z.Zt. keine Einkehrmöglichkeit unterwegs (s. Hallgarter Zange ). Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch .

Foto: Stefan Etzel

23 – Wir schlängeln übern scharfen Stein

Von Kiedrich nach Kloster Eberbach

Von Kriegen und Feuersbrünsten verschont, präsentiert sich Kiedrich heute als "Schatzkästlein der Gotik" im Rheingau. Dort beginnt unsere Tour. Nach der Besichtigung des gotischen Kirchenbezirks mit der berühmten Kiedricher Madonna steigen wir hinauf zur Ruine der Burg Scharfenstein, von der wir durch stille Taunuswälder hinüber zu einer weiteren Perle des Rheingaus wandern: Kloster Eberbach, berühmt nicht nur ob seiner edlen Weine.

1 Einkehrmöglichkeit unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch .

Foto: Stefan Etzel

Kloster Eberbach

Wir betreten die Anlage durch das barocke Klosterportal, die letzte Baulichkeit (1774), die dem schon längst nicht mehr in allen Teilen zisterziensisch-schlichten Komplex vor der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 angefügt wurde. Mit seinen eindrucksvollen Bauten aus dem 12. bis 14. Jahrhundert ist Eberbach gleichwohl eines der besterhaltenen Beispiele eines hochmittelalterlichen Reformklosters in Deutschland, weswegen es auch Kulisse des Films "Im Namen der Rose" (1986) war. Der Phantasie werden hier auf Schritt und Tritt Türen und Tore in die Vergangenheit geöffnet. Ein Rundgang vermittelt unvergessliche Eindrücke, als da u.a. sind:

– die Klosterkirche , aus deren figürlichen Grabmälern uns förmlich der Mensch des Mittelalters entgegentritt;

der Kreuzgang ,

– der Schlafsaal der Mönche , eine der ,,wirkungsvollsten mittelalterlichen Raumschöpfungen in Europa";

– das Laienrefektorium . In dem rund 800 Jahre alten Saal sind heute die historischen Kelterpressen aufgestellt (älteste 1668) und zeugen von der hier seit den Anfängen gepflegten Weinkultur.

Das Keltern-Museum macht die enorme wirtschaftliche Bedeutung des 1131 gegründeten Klosters deutlich, das spätestens um 1500 einer der größten Weinproduzenten seiner Zeit war! Der Edle Stoff wurde auf klostereigenen Schiffen rheinabwärts nach Köln transportiert, wo die tüchtigen Mönche eine Handelsniederlassung besaßen. Die üppige Lagerhaltung sollte auch eine politische Auswirkung haben, denn 1525 ,,ersoff buchstäblich der Bauernaufstand des Rheingaus" (Marx/Pardey) in dem riesigen Klosterfaß, dessen 40.000 Liter Inhalt den Freiheitsdurst der Bauern freilich noch nicht zu stillen vermochten: Weitere achtzig Fässer gewöhnlichen Kalibers (400 Liter) mußten noch dran glauben sowie ,,alles lebende und geräucherte Vieh und aller käs"‘, wie die Chronik berichtet, bevor wieder Stille in die altehrwürdigen Mauern einzog…

Foto: wiki.commons