23 – Wir schlängeln übern scharfen Stein

Von Kiedrich nach Kloster Eberbach

Von Kriegen und Feuersbrünsten verschont, präsentiert sich Kiedrich heute als "Schatzkästlein der Gotik" im Rheingau. Dort beginnt unsere Tour. Nach der Besichtigung des gotischen Kirchenbezirks mit der berühmten Kiedricher Madonna steigen wir hinauf zur Ruine der Burg Scharfenstein, von der wir durch stille Taunuswälder hinüber zu einer weiteren Perle des Rheingaus wandern: Kloster Eberbach, berühmt nicht nur ob seiner edlen Weine.

1 Einkehrmöglichkeit unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch .

Foto: Stefan Etzel

Kloster Eberbach

Wir betreten die Anlage durch das barocke Klosterportal, die letzte Baulichkeit (1774), die dem schon längst nicht mehr in allen Teilen zisterziensisch-schlichten Komplex vor der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 angefügt wurde. Mit seinen eindrucksvollen Bauten aus dem 12. bis 14. Jahrhundert ist Eberbach gleichwohl eines der besterhaltenen Beispiele eines hochmittelalterlichen Reformklosters in Deutschland, weswegen es auch Kulisse des Films "Im Namen der Rose" (1986) war. Der Phantasie werden hier auf Schritt und Tritt Türen und Tore in die Vergangenheit geöffnet. Ein Rundgang vermittelt unvergessliche Eindrücke, als da u.a. sind:

– die Klosterkirche , aus deren figürlichen Grabmälern uns förmlich der Mensch des Mittelalters entgegentritt;

der Kreuzgang ,

– der Schlafsaal der Mönche , eine der ,,wirkungsvollsten mittelalterlichen Raumschöpfungen in Europa";

– das Laienrefektorium . In dem rund 800 Jahre alten Saal sind heute die historischen Kelterpressen aufgestellt (älteste 1668) und zeugen von der hier seit den Anfängen gepflegten Weinkultur.

Das Keltern-Museum macht die enorme wirtschaftliche Bedeutung des 1131 gegründeten Klosters deutlich, das spätestens um 1500 einer der größten Weinproduzenten seiner Zeit war! Der Edle Stoff wurde auf klostereigenen Schiffen rheinabwärts nach Köln transportiert, wo die tüchtigen Mönche eine Handelsniederlassung besaßen. Die üppige Lagerhaltung sollte auch eine politische Auswirkung haben, denn 1525 ,,ersoff buchstäblich der Bauernaufstand des Rheingaus" (Marx/Pardey) in dem riesigen Klosterfaß, dessen 40.000 Liter Inhalt den Freiheitsdurst der Bauern freilich noch nicht zu stillen vermochten: Weitere achtzig Fässer gewöhnlichen Kalibers (400 Liter) mußten noch dran glauben sowie ,,alles lebende und geräucherte Vieh und aller käs"‘, wie die Chronik berichtet, bevor wieder Stille in die altehrwürdigen Mauern einzog…

Foto: wiki.commons

 

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