12 – Rossert & Silberbach

Vom Rettershof ins Silberbachtal

Einer der wenig bekannten echten Paradegipfel des Taunus ist der Rossert, den wir vom weithin bekannten Rettershof aus erklimmen. Die Mühe wird von prächtigen Ausblicken über Vorder- und Westtaunus belohnt, bevor wir ins stille Silberbachtal hinabsteigen. Schließlich erreichen wir einen weniger bekannten Biergarten, den Manche vielleicht als die eigentliche Krönung dieser Tour ansehen…

1 Einkehrmöglichkeit unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

Foto: Stefan Etzel

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10 – Bei Kronberg ist’s schön

Kastanien & Kastelle im Vordertaunus

Am Südosthang des Vordertaunus wurde nicht nur die sonnenhungrige Eßkastanie heimisch, auch die Landschaftsmaler zog es ins malerische Kronberg und seine aussichtenreiche Umgebung, die auch Wiege des heimischen Obstbaus war.

Neues zum alten Kronberger Judenfriedhof

3 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch .

„Blick von Cronberg über die Mainebene“ (Alfred Schönberger, * 1845)

Zum Abschluß dieser Wanderung lernen wir mit Schloß Friedrichshof (heute Schloßhotel) auch den Witwensitz der Kaiserin Friedrich kennen, Mutter Wilhelm II. und Tochter Queen Victorias. Kronberg war für die talentierte Malerin ein idealer Platz, um ihr Hobby zu pflegen, gab es hier doch neben und wegen der malerischen Landschaft auch eine sehr lebendige Malerkolonie, zu der „die hohe Frau“ auch Beziehungen unterhielt. Nach ihr ist wurde auch der zum Bahnhof führende Stadtpark im Jahre 2001 in Victoriapark umbenannt.

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Kaiserin Friedrich (1840-1901) & Schloß Friedrichshof

Ein „goldenes Zeitalter“ hatten sich die Deutschen von Kaiser Friedrich III. versprochen, der aber nach nur 99 Tagen Regentschaft im Juni 1888 starb. Mit seinem Sohn Wilhelm II. brach eine andersgeartete „große“ Zeit an. Daß sie böse enden würde, ahnte damals noch kaum jemand – außer vielleicht seine Mutter Victoria. Diese letzte mahnende Stimme aus Berlin fortzuekeln, gehörte denn auch zu den ersten „Amtshandlungen“ des jungen Kaisers…

Die älteste Tochter der Queen Victoria wählte Kronberg als Witwensitz – weit weg von Berlin, doch nahe bei Bad Homburg, wo Wilhelm mit der Familie sommers kurte (Tour 1). Kronberg hatte auch den Vorzug, daß es hier eine lebendige Malerkolonie gab, denn „Vicky“ war eine ganz begabte Künstlerin. Am Taunusrand baute sie „Friedrich´s Hof“ und nannte sich fortan die „Kaiserin Friedrich“.

Ihr Mann war bis zu seiner Thronbesteigung Kurator der preußischen Museen gewesen. Das seinem Gedenken gewidmete Schloß sollte ein Gesamtkunstwerk aus Architektur, Innenräumen und den gemeinsam angelegten Kunstsammlungen sein, in dem sowohl Epochen als auch regionale Stilrichtungen in einer Art illustrierten, nacherlebbaren europäischen Kunstgeschichte vorgestellt wurden.

Das “ museumspädagogischem Programm“ zeigt sich im Außenbau an der Verquickung verschiedener Stilformen unter einem spitzgiebligen „deutschen“ Dach: Von der italienischen Renaissance bis zum hessischen Fachwerk reicht die Pallette – nicht zu vergessen die englische Tudor-Gotik als Reverenz an die Heimat der Bauherrin. Ein sorgfältig ausgewogenes Spiel der Dekorationsformen schweißt dabei im Spiel mit „latenten Symmetrien“ trotz scheinbar unregelmäßiger Fensteranordnungen den Schloßbau zu einem homogenen Ganzen zusammen. Seit 1954 ist Schloß Friedrichshof Nobelhotel mit Golfplatz im Park.

02 – Kaiser, Keipen und Kohorten

Von Bad Homburg zur Saalburg

Kaiser Wilhelm II. war ein großer Homburg-Freund – und hat Spuren in der Umgebung hinterlassen. Ausgrabung und Rekonstruktion der Saalburg ist gewissermaßen sein Werk, er hat aber auch noch eine weitere prominente Landschaftsmarke in den Taunus gesetzt – und die lernen wir heute kennen…

3 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch . Foto: bristley.

Am Wege:

Römerkastell Saalburg informative Seite des Saalburgmuseums, auch über den Limes . Weitere Informationen s. Tour 3 .

Kleiner Tannenwald – Landgräfliche Gartenlandschaft Bad Homburg.

Neue Goethe-Gedenktafel am Gotischen Haus.

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Bad Homburg

Den Namen Homburgs in alle Welt getragen hat ein Prinz, eine Spielbank und ein Hut:

„Prinz Friedrich von Hessen-Homburg, dies sei voraus bemerkt, war vorallem nicht der , als der er uns in dem H. von Kleistschen Schauspiel entgegentritt.“ Mit diesen Worten leitet Theodor Fontane das Kapitel über den Prinzen in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ein. Das kleistsche Schauspiel hat nämlich einen schwachen Schwärmer als „Prinz von Homburg “ im Gedächtnis der Nachwelt verankert – der echte war dagegen ein willensstarker Kavalleriegeneral. Prinz Friedrich von Homburg hatte großen Anteil an der „Geburtsstunde Preußens“ in der siegreichen Schweden-Schlacht bei Fehrbellin (18. Juni 1675). Er mag etwas eigenmächtig gehandelt haben, zog sich den – milden – Tadel des Großen Kurfürsten zu, aber kein Kriegsgericht.

„Meine Engelsdicke“ – herrlich barock lesen sich die Briefe aus dem Felde, die der Prinz von Homburg seiner Gemahlin schrieb. Diese Briefe – zwei sind bei Fontane nachzulesen – geben zugleich ein anschauliches Bild vom Kriegshandwerk jener Zeit aus Sicht eines Generals.

1679 wurde Friedrich Landgraf von Hessen-Homburg, das Schloß ist sein Werk. Um die Kosten einer gesteigerten Hofhaltung zu decken, suchte Friedrich II. sein Ländchen, nicht viel mehr als die Homburger Gegend, wirtschaftlich zu entwickeln. So ließ er im heutigen Kurpark Gradierwerke zur Salzgewinnung anlegen und siedelte französische Glaubensflüchtlinge zur Hebung von Handel und Gewerbe in der Umgebung an.

Die Salzquellen hatten schon die Römer genutzt, ihre Heilwirkung wurde aber erst hundert Jahre nach Friedrich erkannt. Richtigen Aufschwung als Modebad nahm Homburg dann, als 1841 die Spielbank eröffnet wurde – und die Badeärzte klagten, das Amüsement gehe in Homburg über die Gesundheit, was freilich den Ruf als Modebad eher stärkte… 1866 fiel den puritanischen Preußen das Erbe ihres einstigen Geburtshelfers zu – und sie verboten das Glücksspiel! Die Pächter wurden übrigens in einem Fürstentum unter mediterraner Sonne mit offenen Armen aufgenommen, weswegen sich die heutige Homburger Spielbank (seit 1949) gern „Mutter von Monte Carlo“ nennt – und die Ralley Monte Carlo alljährlich hier startet.

Die Preußen formten das „Spielbad“ in ein echtes „Heilbad“ um, in dem die Ärzte wieder den Ton angaben, und der Kaiser. Kern dieser neuen Zweckbestimmung war der Bau des Kaiser-Wilhelm-Bades 1887-1890. Bei Baubeginn herrschte noch der alte Wilhelm I., bei Fertigstellung schon sein Enkel Wilhelm II., der herrliche Kindheitssommer in Homburg verlebt hatte. Die Gunst des Kaiserhauses beförderte den neuen Aufschwung enorm, die gekrönten Häupter Europas gaben sich am Taunus die Ehre, Wilhelm griff aber auch in die Gestaltung der Gegend ein und ließ auf dem Paß über der Stadt die Saalburg wieder aufbauen.

Der „Homburger“ ist übrigens keine Pickelhaube, sondern ein weicher Filzhut mit leicht nach oben gebogener Krempe, den sich der Prince of Wales und spätere König Edward VII. während einer Sommerfrische nach eigenem Entwurf fertigen ließ – der rasch modebewußte Nachahmer fand.