Berge, Bäder, Burgen, Wein

Berge, Bäder, Burgen, Wein zwischen Lahn und Rhein-Main

Im 19. Jahrhundert zählte der Taunus zu den berühmtesten Wanderlandschaften Deutschlands, als Kaiser und Könige in dem bäderreichen Land kurten, die Freiluftmaler das „schönste Mittelgebirge der Welt“ (Humboldt) entdeckten und der „Bund der Feldbergläufer“ 1868 als erster deutscher Gebiets-Wanderverein gegründet wurde, aus dem dann der Taunusklub hervorging.

Heute ist es stiller geworden um den Wanderruhm dieses Südausläufers des Rheinischen Schiefergebirges, der mit seinem Hauptkamm in Frontlage die Mainebene bei Frankfurt wie eine Theaterkulisse begrenzt und das Naherholungsgebiet der Rhein-Main-Region ist. Fragen Sie dort aber mal jemanden, was der Taunus denn nun genau sei, so werden Sie auf eine erstaunliche Unsicherheit stoßen: Gehört der Hintertaunus dazu, oder liegt der nur hinter dem Taunus, dem „eigentlichen“ nämlich, womit dann der Hauptkamm gemeint wäre? Und was ist mit dem Rheingau, dem Wispertal, der Loreley? „Na, die liegt aber am Rhein“ werden sie hören – und nicht etwa „im Taunus“, zu dem der Schieferfels über dem Rheintal aber geografisch gehört.

Der Taunus ist eben kaum zu fassen und steckt voller Widersprüche – eine Haupteigenschaft mit gravierenden Nebenwirkungen, nämlich Vielfalt und Abwechslungsreichtum wie in kaum einem anderen deutschen Mittelgebirge: Endlose Wälder sind genauso „typisch“ für den Taunus wie weite Offenlandschaften, Berggipfel mit Paradeblick auf die Wolkenkratzer einer Weltstadt genauso wie golden wogende Feldfluren oder windzerzauste Höhen, wo sich schiefergraue Häuser ducken – bis man dann ein, zwei Wanderstunden weiter ein Weindorf erreicht, das sich behaglich in der Sonne aalt und Vater Rhein verschwörerisch zublinzelt.

Dieses stete Wechselspiel malerischer Kleinräume mit ausgeprägtem Eigencharakter macht den Charme unseres Wandergebietes aus, das als zusammengehöriges Ganzes namens Taunus erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts die Bühne betrat – und davor praktisch namenlos war! Meist sagte man einfach „die Höhe“ (daher Bad Homburg „vor der Höhe“) und sprach von den dahinter liegenden Siedlungen als den „überhöhischen Dörfern“.

Der Name Taunus taucht erst in romantischer Zeit auf und wurde seit 1813 von dem Schwärmer Isaac von Gerning (1767-1837) propagiert, der in einem „Tauninum“ getauften Kronberger Wehrturme saß und hymnische Preisgesänge auf sein heimisches Arkadien sang:

Dich, o Taunusgefild, umschwebt ein göttlicher Geist oft,

Und in menschlicher Brust wehet beseelend sein Hauch.

Von Gerning berief sich bei seinem Taufakt auf Tacitus, der um 109 n. Chr. in den „Annalen“ von einem „Monte Tauno“ spricht, zu dem 100 Jahre zuvor Germanicus von Mainz aus über den Rhein ins Chatten-Gebiet vorgestossen war. Die Gelehrten streiten bis heute, welcher Berg genau gemeint gewesen sein könnte, manches spricht fürs Feldbergmassiv.

Als erstes griff das Bildungsbürgertum von Gernings klassisch beseelten Taunus-Begriff auf, der sich zunächst auf den Hauptkamm beschränkte. Der in den 1850er Jahren einsetzende Eisenbahnbau erschloss auch den Hintertaunus bis zur Lahn, und zwar in zweifacher Hinsicht: Die armen Taunusbewohner konnten endlich – statt nach Amerika auszuwandern – zur Arbeit in den Ballungsraum pendeln, während die Städter zur Erholung ins Gebirge gondelten. Diese „Taunustiroler“ brachten gutes Geld in die Dörfer und kurbelten so einen Wirtschaftszweig an, der bis heute Bestand hat.

Wann genau der Taunus im allgemeinen Bewußtsein in seinen heutigen Grenzen endgültig Gestalt annahm, läßt sich nicht genau sagen. Es ließe sich das Jahr 1883 nennen, in welchem über Rüdesheim an der Südwestspitze des Taunus das Niederwalddenkmal eingeweiht – und der „Bund der Feldbergläufer“ in „Taunusklub“ umbenannt wurde, der nun sein Wegenetz auch durch den Hintertaunus bis zur Lahn zu spinnen begann.

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2 Antworten

  1. Wo findet man denn die schöne Karte ganz oben (die leider etwas klein geraten ist)…?

    • Ich weiß leider nicht mehr, wo ich diese in der Tat schöne Karte vor fast 15 Jahren gefunden habe.

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