35 – Zur Kapersburg

Taunusgeheimnisse abseits des "main stream"

Wer auf einer einzigen Wanderung eine Art "Taunus en miniature" kennenlernen will, kommt hier ziemlich auf seine Kosten: Auf dem Limes erst steil bergan zu einem rekonstruierten Römerturm, dann ein abgelegenes Gasthaus, dann ein Felsengipfel. Dann hinab zu einem im Walde versteckten Römerkastell, unterwegs ein stiller Rastplatz mit Ausblick, parkartige Offenlandschaft, ein uralter Kultplatz – und all das auf einer einzigen Tour…

Eine Einkehrmöglichkeit unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch .

Foto: wiki.commons

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Kapersburg

Das Numeruskastell (150 Mann Besatzung) war der nordöstliche  Flankenschutz des 7 km entfernten Kohortenkastells Saalburg (500 Mann; Touren 1 |2 |3 |4 ), so,  wie das Feldbergkastell (Tour 13 ) die Limesfortsetzung in südwestliche Richtung deckte. Seiner abgeschiedenen Lage verdankt sich der gute Erhaltungszustand.

Infos: taunus-wetterau-limes (auch: Foto) | Wikipedia

29 – Nostalgie ob der Lahn

Von Bad Ems ins Schweizertal

„Weltbad“! – Wo einst Kaiser und Könige kurten, kurt heute König AOK-Kunde in lange verblasstem Glanz. Stramm bürgerlich marschieren wir denn auch auf den Emser Hausberg (Malbergbahn) – und kehren später auf Wegen zurück, auf denen schon die Römer zum Bade trabten…

2 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch .

Foto: Stefan Etzel

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Bad Ems und die „Emser Depeche“

Ob die Römer den Lahnübergang absichtlich an die Emser Quellen legten, ist nicht bezeugt, kam aber jedenfalls ihren Vorstellungen eines zivilisierten Lebens entgegen. Als Heilort bekannt wurde Ems schon im 14. Jahrhundert und erlebte seine Blütezeit als alljährliches Stelldichein des europäischen Hochadels in den Jahrzehnten vor 1871 – dem Jahr des preußischen Spielbankenverbots. Danach gings bergab, heute kämpft die Stadt mit all ihren prachtvollen Kurbauten von anno dazumal wie alle anderen Kurbäder ums wirtschaftliche Überleben.

Eingang in die Geschichte fand Bad Ems durch jene Depeche des kurenden Preußenkönigs an Bismarck Anfang Juli 1870, in welcher er von einer Begegnung mit dem französischen Gesandten berichtet, der längst überholte Forderungen gestellt hatte: Bismarck möge die Öffentlichkeit entsprechend informieren. Der nutzte die Gelegenheit, durch eine polemisch verkürzte Fassung der „Emser Depeche“ die beiden Völker wie ihre Herrschenden in einen nationalistischen Furor zu stürzen, dessen Ergebnis die erwünschte Kriegserklärung Frankreichs an Preußen vom 19. Juli 1870 war. Aufgrund von Bündnisverträgen traten die süddeutschen Staaten in den Krieg mit ein, der so zu einem „deutschen“ wurde – und an dessen Ende die Krönung des preußischen Königs im Spiegelsaal von Versaille zum Kaiser des zweiten deutschen Reiches stand.

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Die Grablege des Freiherrn vom Stein in Frücht

Aus dem Schweizer Tal aufsteigend, erreichen wir das Dorf Frücht. An seinem Rande liegt Steins Gruft, eine neugotische Kapelle, die der Freiherr vom Stein etwa zur gleichen Zeit wie den Freiheitsturm im Nassauer Schloß errichten ließ (s.Tour 30). Hierher ließ er die Särge seiner Eltern aus der Früchter Kirche überführen und bestimmte die Kapelle als letzte Ruhestätte für sich und seine Gemahlin. Auf den Besitz von Frücht ging letztlich die Reichsunmittelbarkeit des Geschlechts zurück, das mit dem ohne männliche Nachkommen bleibenden Freiherrn erlosch. Auf dem Sockel seines Grabmals steht zu lesen (Ernst Moritz Arndt):

„Der Letzte

seines über sieben Jahrhunderte

an der Lahn blühenden Rittergeschlechtes,

demüthig vor Gott, hochherzig gegen Menschen,

der Lüge und des Unrechts Feind, hochbegabt

in Pflicht und Treue, unerschütterlich

in Acht und Bann,

des gebeugten Vaterlandes ungebeugter Sohn,

in Kampf und Sieg

Deutschlands Mitbefreier.

Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu seyn.“

21 – Burg Hohenstein

Durchs Lahnerbachtal zum Limes

Der Hintertaunus mag auf den ersten Blick etwas gleichförmig erscheinen – schaut man genauer hin, geht es in diesem Wellenspiel sachter Höhenzüge aber doch ganz schön bewegt zu. Ein Kleinod dieser Landschaft ist Burg Hohenstein über dem Aartal.

1 Einkehrmöglichkeit unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch .

Foto: Stefan Etzel

Burg Hohenstein

Burg Hohenstein wurde um 1190 von den weithin mächtigen Grafen von Katzenelnbogen auf dem Felsen über dem Aartal erbaut. Als der letzte Elnboger 1479 starb, fiel die Grafschaft an den Landgrafen von Hessen-Marburg, "und groß guth von goldt und silber, alle bodden und kasten voller frucht, alle keller voller weins, und dessen erhub er sich hoch". 130 Jahre später ließ Landgraf "Moritz der Gelehrte" kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg Hohenstein noch einmal verstärken, doch das nutzte nichts, die Feste wurde zerstört. Moritz mußte überdies im zehnten Kriegsjahr (1627) abdanken – wegen Entschlußschwäche und militärischer Unfähigkeit in einer Zeit, als Haudegen und keine Dichter- Alchemisten auf dem Thron gefragt waren.

19 – In der Ruhe liegt die Kraft

Der Limesweg bei Idstein

Die malerischste und zugleich verkehrstgünstigst gelegene Taunusstadt? Versuchen Sie es doch mal mit der alten Nassauer Residenz Idstein, hinter der sich eine wenig bekannte Wanderwelt in die Hintertaunushügel kuschelt, deren Topographie schon die Römer verwirrte…

KORREKTUR 2012

4 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

Foto: jansozsek

14 – Glashütten & Eisenhämmer

Ein mittelalterliches Industrierevier

Mal eine richtig lange Wanderung, die ein mittelalterliches Industrierevier umrundet, in dem einst Meiler rauchten und Hämmer pochten – und noch viel früher der Limes vom Hoch- in den Hintertaunus überging.

Wie in alten Zeiten muß man den Proviant auf dieser Tour selbst mitführen, die auf der ganzen Strecke keine einzige Ortschaft berührt. Wer also den Rummel an sonnigen Sommersonntagen meiden will, findet hier ein Ausweichrevier.

Keine Einkehrmöglichkeit unterwegs (wohl aber am Start/Ziel). Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

Foto: Quasebart („Wolken über Glashütten“)

06 – Schnupperspaziergang im Hohen Taunus

Ein- und Ausblicke beim Sandplacken

Der Sandplacken ist der am schnellsten von Frankfurt (30 Autominuten) und Autobahn (15 Min.) erreichbare Hochtaunuspaß. Dieser Spaziergang von knapp 1 1/2 Std. Dauer gewährt erst einen schönen Einblick ins Herz des Gebirges – und dann einen weiten Ausblick in den Hintertaunus.

Einkehrmöglichkeit an Start/Ziel. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch .

Foto: macmenace

04 – Einblicke beim Hessenpark

Lernen & Einkehren am Rand des Hintertaunus

Ein Stück rekonstruierter LimesOhne größere Steigungen, nicht allzu lang, dazu immer wieder Pausen: Diese Tour von rund 3 1/2 Std. Gehzeit ist ein prima Einstieg für Anfänger zünftigen Wanderns.

3 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

03 – Als die Römer frech geworden…

Der Limes bei der Saalburg

Vom bekanntesten Römerkastell Deutschlands aus erkunden wir ein längeres Stück des Limes, bevor wir „über Berg und Tal“ ein Ausflugslokal erreichen, von dessen Terrasse sich bei „Handkäs‘ und Mussick“ die prächtige Aussicht genießen läßt.

2 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch .

Foto: freda

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Saalburg

Die Saalburg war das für den Hochtaunus-Limes zuständige Hauptkastell. Seine Geschichte begann gleich zu Beginn des Limesbaus um 83 n. Chr. und hielt dann Schritt mit dessen vier Ausbaustufen: Als permanetes Truppenlager zur Sperrung des Saalburgpasses wurden zunächst zwei kleinere Erdschanzen angelegt, deren Reste noch heute 70 m östlich der Saalburg zu erkennen sind (Anfang Tour 4 ). Schon um 90 n. Chr. richtete man sich dann aber auf Dauer in einem kleinen Holzkastell (80 x 84 m) ein, das wohl für einen Numerus angelegt war (150 Mann). Es lag ungefähr in der Mitte des späteren Steinkastells (147 x 221 m) und wurde bei dessen Anlage um 135 nach Aufrichtung der Mauern eingeebnet, als eine Kohorte (500 Mann) auf den Saalburgpaß verlegt wurde. Im friedlichen 2. Jahrhundert entstand neben der Saalburg ein Kastelldorf, das nach dem katastrophalen Alamanneneinfall von 233 nicht wieder aufgebaut wurde. In ihrer Blütezeit dürfte die Saalburg mit Dorf bis zu 2.000 Einwohner gehabt haben! Der Niedergang der rechtsrheinischen Besitzungen war nicht aufzuhalten, spätestens 260 gaben die Römer mit dem Limes auch die Saalburg auf.

Was wir heute sehen, ist das einzige vollständig wiederaufgebaute Kastell am gesamten Limes. Überdauert hatten die Zeitläufte nur Grundmauern. Die aufwendige Rekonstruktion veranlasste 1897 Kaiser Wilhelm II., der schon als Knabe bei den Bad Homburger Sommerfrischen der Familie von den Ausgrabungen des Römerkastells fasziniert war, die seit etwa 1870 systematisch betrieben wurden. Sein Verdienst war die Forderung eines möglichst originalgetreuen Wiederaufbaus. Es wurden daher ähnliche, aber besser erhaltene Kastelle zum Vergleich herangezogen (insbesondere Lambaesis, Algerien), so daß die Annäherung an das Original ein hohes Maß an Wahrscheinlichkeit erlangt haben dürfte – auf dem Stand des damaligen Wissens. Heute weiß man, daß die Außenmauern der Römerkastelle leuchtend weiß verputzt waren mit roten Linien entlang der Mauerfugen (Beispiel an Südostecke). Außerdem war das Innere nicht so weitläufig, sondern mit Holzbaracken dicht bebaut.

Römerkastell Saalburg informative Seite des Saalburgmuseums; Limes | Jupitersäule

Taunus-Wetterau-Limes – großartige Seite mit vielen Abbildungen, die das einstige Leben am Limes anschaulich machen.

Im Saalburg-Museum kann man zahlreiche Grabungsfunde betrachten, die einen schönen Einblick in die Gebrauchsgegenstände der Zeit geben, daneben u.a. rekonstuierte Wehrtechnik (Katapulte mit Seilfedern). Vor dem Kastell liegen die Grundmauern der Badeanstalt und des benachbarten Gästehauses.

02 – Kaiser, Keipen und Kohorten

Von Bad Homburg zur Saalburg

Kaiser Wilhelm II. war ein großer Homburg-Freund – und hat Spuren in der Umgebung hinterlassen. Ausgrabung und Rekonstruktion der Saalburg ist gewissermaßen sein Werk, er hat aber auch noch eine weitere prominente Landschaftsmarke in den Taunus gesetzt – und die lernen wir heute kennen…

3 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch . Foto: bristley.

Am Wege:

Römerkastell Saalburg informative Seite des Saalburgmuseums, auch über den Limes . Weitere Informationen s. Tour 3 .

Kleiner Tannenwald – Landgräfliche Gartenlandschaft Bad Homburg.

Neue Goethe-Gedenktafel am Gotischen Haus.

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Bad Homburg

Den Namen Homburgs in alle Welt getragen hat ein Prinz, eine Spielbank und ein Hut:

„Prinz Friedrich von Hessen-Homburg, dies sei voraus bemerkt, war vorallem nicht der , als der er uns in dem H. von Kleistschen Schauspiel entgegentritt.“ Mit diesen Worten leitet Theodor Fontane das Kapitel über den Prinzen in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ein. Das kleistsche Schauspiel hat nämlich einen schwachen Schwärmer als „Prinz von Homburg “ im Gedächtnis der Nachwelt verankert – der echte war dagegen ein willensstarker Kavalleriegeneral. Prinz Friedrich von Homburg hatte großen Anteil an der „Geburtsstunde Preußens“ in der siegreichen Schweden-Schlacht bei Fehrbellin (18. Juni 1675). Er mag etwas eigenmächtig gehandelt haben, zog sich den – milden – Tadel des Großen Kurfürsten zu, aber kein Kriegsgericht.

„Meine Engelsdicke“ – herrlich barock lesen sich die Briefe aus dem Felde, die der Prinz von Homburg seiner Gemahlin schrieb. Diese Briefe – zwei sind bei Fontane nachzulesen – geben zugleich ein anschauliches Bild vom Kriegshandwerk jener Zeit aus Sicht eines Generals.

1679 wurde Friedrich Landgraf von Hessen-Homburg, das Schloß ist sein Werk. Um die Kosten einer gesteigerten Hofhaltung zu decken, suchte Friedrich II. sein Ländchen, nicht viel mehr als die Homburger Gegend, wirtschaftlich zu entwickeln. So ließ er im heutigen Kurpark Gradierwerke zur Salzgewinnung anlegen und siedelte französische Glaubensflüchtlinge zur Hebung von Handel und Gewerbe in der Umgebung an.

Die Salzquellen hatten schon die Römer genutzt, ihre Heilwirkung wurde aber erst hundert Jahre nach Friedrich erkannt. Richtigen Aufschwung als Modebad nahm Homburg dann, als 1841 die Spielbank eröffnet wurde – und die Badeärzte klagten, das Amüsement gehe in Homburg über die Gesundheit, was freilich den Ruf als Modebad eher stärkte… 1866 fiel den puritanischen Preußen das Erbe ihres einstigen Geburtshelfers zu – und sie verboten das Glücksspiel! Die Pächter wurden übrigens in einem Fürstentum unter mediterraner Sonne mit offenen Armen aufgenommen, weswegen sich die heutige Homburger Spielbank (seit 1949) gern „Mutter von Monte Carlo“ nennt – und die Ralley Monte Carlo alljährlich hier startet.

Die Preußen formten das „Spielbad“ in ein echtes „Heilbad“ um, in dem die Ärzte wieder den Ton angaben, und der Kaiser. Kern dieser neuen Zweckbestimmung war der Bau des Kaiser-Wilhelm-Bades 1887-1890. Bei Baubeginn herrschte noch der alte Wilhelm I., bei Fertigstellung schon sein Enkel Wilhelm II., der herrliche Kindheitssommer in Homburg verlebt hatte. Die Gunst des Kaiserhauses beförderte den neuen Aufschwung enorm, die gekrönten Häupter Europas gaben sich am Taunus die Ehre, Wilhelm griff aber auch in die Gestaltung der Gegend ein und ließ auf dem Paß über der Stadt die Saalburg wieder aufbauen.

Der „Homburger“ ist übrigens keine Pickelhaube, sondern ein weicher Filzhut mit leicht nach oben gebogener Krempe, den sich der Prince of Wales und spätere König Edward VII. während einer Sommerfrische nach eigenem Entwurf fertigen ließ – der rasch modebewußte Nachahmer fand.